Christuskirche München

1973 – ein wunderbares Jahr! Ich studierte Kirchenmusik an der Münchner Musikhochschule, hatte gerade das Bach-Collegium München gegründet und erste Erfahrungen als Orchesterdirigent gesammelt, da bot mir der Landeskirchenmusikdirektor Joachim Widmann an, ich solle doch die Kantorenstelle an der Münchner Christuskirche übernehmen, einen Chor aufbauen, Orgel spielen und als sein Assistent  arbeiten.

 

Eine herrliche Orgel, eine schöne Kirche, die geräumige Wohnung direkt daneben, und im Nu hatte ich einen großen Chor mit vorwiegend jungen SängerInnen, ich selbst war ja auch noch jung und unternehmungslustig.

 

Ich konnte große Oratorien aufführen, hatte mit meinen Kommilitonen (u.a. Florian Sonnleitner, Francisco Araiza,  Rudi Kelber etc. pp.) wunderbare Musiker zur Hand und durfte sogar waghalsige Unternehmungen starten – die deutsche Erstaufführung von „Jesus Christ Superstar“ unter Polizeischutz und 1978 die Uraufführung des „Rock-Requiem“, das ich zusammen mit Guntram Pauli und Klaus Haimerl komponiert hatte.

 

Es gab erste Auslandskonzerte mit dem Chor der Christuskirche und dem Bach-Collegium, Händels Messias und Mozarts Requiem in Paris 1975, und dann Johannes- und Matthäus-Passion von Bach in Bologna, Piacenza und Turin und anderes mehr.

 

Die von mir gegründete Konzertreihe „bach in der karwoche“ war ein großer Erfolg, ich konnte die Passionen Bachs aufführen, Orchester- und Kammerkonzerte veranstalten und lernte das Instrumentarium des Konzertveranstalters kennen: Plakate entwerfen und drucken lassen, Budgets aufstellen, Musiker engagieren, Pressearbeit machen usw. Eine Erfahrung fürs ganze Leben…!

 

Eines muss ich hier noch loswerden: Der geniale Bachdirigent Karl Richter war der Grund, warum ich Kirchenmusiker geworden bin. Seine Aufführungen der Bachschen Passionen, Oratorien und Kantaten in München, seine Dirigate der Orchesterwerke sind mir unvergessen. Ich hatte zwar nie Unterricht bei ihm, wenn ich aber was gelernt habe – dann von ihm.